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Das Anbaugebiet Friaul-Julisch Venetien, meist nur kurz Friaul liegt zwischen Österreich, Slowenien und der Ebene von Venetien. Die Hauptstadt der Region ist Triest. Obwohl die Region historisch unter wechselhaftem Einfluss gestanden hat und oft in Kriegshandlungen verwicklelt war, wird seit der Antike durchgehend Wein angebaut. Durch verbesserte Kellermethoden wie die gekühlte Gärung ist die Gegend zur wohl besten Weißweinregion Italiens aufgestiegen, obwohl noch Rotwein angebaut wird. Die Unterregionen Collio, Colli Orientali, Isonzo und Carso erzeugen die hochwertigsten und langlebigsten Weißweine. Trotz der herausragenden Stellung finden sich zunehmend Konkurrenz in Regionen, die erst seit kurzer Zeit Spitzenweine produzieren. Viele Winzern haben sich von den internationalen Sorten verabschiedet und ersetzen sie mehr und mehr mit den alten einheimischen, besonders dem Friulano. In den autochthonen Sorten liegt das größte Qualitätspotenzial des Friaul.

Das Friaul gehört weinhistorisch zu einer der spannendsten Regionen der Welt. Wir erlauben uns daher Ihnen hier alle interessanten Informationen von Wikipedia zur Verfügung zu stellen. 

 

Geographie und Klima

Die Region Friuli Venezia Giulia grenzt im Norden an Österreich, im Osten an Slowenien, im Süden an das adriatische Meer und im Westen an Venetien. Die Hauptstadt der Region ist die Hafenstadt Triest. Die Hänge der Julischen Alpen schirmen das Friaul ab gegen kalte Winde aus dem Gebirge und aus Russland, so sind die Reben vor den gefürchteten Spätfrösten sicher. Die warmen Luftströmungen aus der venezianischen Lagune sorgen dazu für deutlich höhere Temperaturen als im Hinterland. Diese Sandwich-Situation ist ein großer Vorteil. Die warmen Winde ventilieren auch die Feuchtigkeit aus den Weinbergen. Im Friaul regnet es bis zu dreimal so viel wie etwa in den niederschlagreichen deutschen Weinanbaugebieten. Der meiste Niederschlag fällt im Winter und Frühjahr, so dass die Reben keinen Schaden nehmen. Durch die heißen Sommer ernten die Winzer meist relativ früh. In den besseren Lagen weit oben in den Bergen finden sich wechselnde Kleinklimate, deren Einfluss noch nicht umfassend geklärt ist.

 

Geologie

Vor 50 Millionen Jahren war das Friaul ein Meeresbecken, auf dessen Boden sich Lehm und Schlick ablagerten, der nach und nach die Korallenbänke bedeckte. Mit der geologischen Formung der Alpen hob sich die Ebene schließlich als Kalkstein über den Meeresspiegel. Diese kargen Stein-Schichtungen namens ’’ponca’’ sieht man überall in der Region. Durch den Druck ihres Eigengewichts verdichteten sich die kleinteiligen Sände zwar. Aber die Strukturen zerfallen an der Luft wieder zu kleinen Steinen. Das macht den Boden locker, mineralisch und nährstoffarm. Alle drei Eigenschaften sind geradezu ideal für Weinreben. Denn sie schlagen ihre Wurzeln leicht ins Erdreich, stehen nicht im Wasser, finden in Trockenphasen Feuchtigkeit, müssen aber die knappen Nährstoffe mühevoll aus der Tiefe holen. So nehmen sie viele Mineralstoffe auf, die später für Weine hoher Qualität sorgen. Der Boden ist so locker, dass die Erosion die Bergkämme in wenigen Jahren zerfallen lässt. Früher als in anderen Anbaugebieten pflanzten die Winzer deshalb zwischen die Rebzeilen Gras, dessen Wurzeln die Erosion aufhalten. Die Begrünung von Rebzeilen gehört heute zum Standard für Weine guter Qualität. Am Fuß der Berge sind die meisten größeren Brocken schon zerrieben und verdichten sich zu Schlamm, der getrocknet so hart wird, dass der Boden nicht maschinell bearbeitet werden kann. Deshalb bieten nur die Endmoränen um die weiten Ebenen Lagen für Spitzenweine. Das Friaul hat neun Unterzonen, von denen die Bergregionen Collio, Colli Orientali, Isonzo und seit einigen Jahren Carso die besten Weine produzieren. An den bevorzugten Hängen gibt es sehr unterschiedliche Lagen. Ist das Gestein rot, liegt ein bedeutsamer Eisenanteil vor. Mangan und anderen Mineralien bestimmen den blauen Boden. Im Collio und Colli Orientali del Friuli (COF) sind Anteile von Ton und Sandstein vertreten. Diese gelten als ideal, weil sie meist mittelschwere Weine mit der richtigen Balance von Säure und Alkohol hervorbringen. Im Westen der Region erstreckt sich eine weite Ebene aus Schwemmlandböden, in denen Flüsse Kiesel, also Silikatsteine, abgelagert haben. Dort werden vor allem bessere Alltagsweine, oft Pinot Grigios, produziert. Leichtere Weine werden auch zwischen Palmanova und Aquileia erzeugt, wo sandige Böden und größere Weingüter vorherrschen.

 

Qualitätsstufen und Gebietseinteilung

Im Friaul gibt es drei allgemeine Herkünfte (IGT): Venezia Giulia, delle Venezie und Alto Livenza mit insgesamt 6.736,54 Hektar. Insgesamt neun DOC-Herkünfte belegen 9.472,08 Hektar. Nur Picolit und Ramandolo, die zusammen 118,69 Hektar groß sind, haben DOCG-Status

Collio Goriziano (meist einfach Collio) DOC: Das Collio ist seit 1968 als DOC-Zone anerkannt und das wichtigste Weinbaugebiet im Friaul. Eine hohe Zahl von Spitzenwinzern ist im In- und Ausland unter Kennern renommiert für langlebige Weißweine, deren Anteil mehr als 80 % auf den 1320 Hektar Anbaufläche beträgt. Mineralische ponca-Böden marinen Ursprungs herrschen vor. Der Hauptort heißt Cormòns. Spezialität der Region ist die autochthone Traube Ribolla Gialla aus den Weinbergen um Oslavia und Gorizia. Mengenmäßig sind die wichtigsten Rebsorten Pinot Grigio, Sauvignon Blanc und Friulano. Ribolla Gialla ist jedoch ein wichtiger Image-Träger.

Collio Bianco: Mit seinen Nachbarregionen Colli Orientali und Isonzo teilt das Collio Gorizano den Collio Bianco. Für die Cuvée sind insgesamt zwölf Rebsorten zugelassen, die darin ihre individuellen Stärken ausspielen können. Der Winzer kann über die Mengenanteile frei entscheiden. Im Anbau profitieren sie von einigen sehr wertvollen Standortvorteilen. So entstehen Weine, die in Ihrer Tiefe und Vielschichtigkeit ihres gleichen suchen. Werden Weißweine in Italien traditionell so schnell wie möglich in Flaschen gefüllt und verkauft, steigert sich der Collio Bianco merklich, wenn er mehr Zeit im Keller bekommt. Die weißen Cuvées haben die außergewöhnliche Fähigkeit, viele Jahre in der Flasche zu reifen und dabei immer vielschichtigere Aromen zu entwickeln. Die subtilen Fruchtnoten werden feiner, fusionieren zu einem dichten Kern, um den sich Reifearomen wie Mandeln und Honig anlagern. Ein neuer und ein einjähriger Wein lassen das oft noch nicht vermuten. Für die Alterungsfähigkeit von Weinen wird oft die Rebsorte verantwortlich gemacht. Einige wie Chardonnay gelten als sehr lagerfähig, während für andere wie zum Beispiel Müller-Thurgau vorausgesagt wird, dass die Weine bald ermüden. In den meisten Fällen bewahrheitet sich das auch. Aber nicht beim Collio Bianco. Fast jede Cuvée enthält potenziell haltbare und weniger haltbare Reben. Daran kann es also nicht liegen. Chemiker verweisen gerne auf die Säure. Ein hoher Säuregehalt hemmt Oxidations- und andere Zerfallsprozesse. Collio Bianco hat aber vergleichsweise wenig Säure. So wenig, dass Winzer manchmal um die Klassifikation ihrer Weine besorgt sind, wenn sie die in den Statuten festgelegten Säurewerte nur knapp erreichen.

Colli Orientali del Friuli (COF) DOC: COF ist mit 1945 Hektar ein großes Anbaugebiet mit Weinbergen in den Hügeln, wo viele Spitzenwinzer ihre Lagen haben, und der Ebene, aus der vorwiegend Alltagsweine kommen. In puncto Qualität sind die Colli Orientali nach dem Collio das zweitwichtigste Gebiet. Die politisch gewollten Unterzonen Cialla und Rosazzo haben im Markt keine Bedeutung. Innerhalb der Grenzen des COF wachsen auch die DOCG-Süßweine Ramandolo und Picolit. Angrenzend an das Collio sind auch hier die besten Böden mineralische ’’ponca’’-Schichten marinen Ursprungs. Die Weinhauptstadt des Gebietes heißt Cividale del Friuli. Die wichtigsten Rebsorten sind Friulano, Merlot, Sauvignon Blanc und Pinot Grigio. Wichtig fürs Image sind außerdem die beiden roten, ortsstämmigen Sorten Schiopettino und Pignolo .

Friuli Isonzo DOC: Das drittwichtigste Anbaugebiet ist Friuli Isonzo und wurde 1974 als DOC-Zone anerkannt. Es grenzt ebenso ans Collio. Die meisten Reben stehen auf Schwemmlandböden in der Ebene. Dennoch kommen einige der besten Weine der 1165 Hektar großen Region hierher. Friuli Isonzo ist in die Zonen Rive Alte und Rive Giare aufgeteilt, die rechte und die linke Seite des Flusses Isonzo. Der Hauptort heißt Gradisca d’Isonzo, die Hauptrebsorten heißen Pinot Grigio, Friulano, Sauvignon Blanc und Merlot.

Friuli Grave DOC: Als DOC-Zone anerkannt 1970 ist Friuli Grave mit 3863 Hektar das flächenmäßig größte Gebiet mit Weinbergen in der Ebene, die zuverlässige Alltagsweine und einige Spitzenweine liefern. Grave bedeutet Kiesel und diese Gesteinsart herrscht in den Schwemmlandböden vor. Die Hauptorte sind Pordenone und die Stadt Udine. Pinot Grigio und Merlot sind die wichtigsten Rebsorten.

Friuli Aquileia DOC: Friuli Aquileia heißt das historische Anbaugebiet im Umkreis der Stadt Aquileia. Auf 512 Hektar sandiger Böden produzieren große Betriebe vor allem Alltagsweine. Es gibt wenige bekannte Erzeuger. Aqulileia ist die Weinhauptstadt und die DOC-Zone wurde 1975 anerkannt. Hauptrebsorten: Refosco, Cabernet Sauvignon, Merlot.

Carso DOC: Kleines Gebiet von nur 58 Hektar auf einem schmalen Kalksteingebirgszug, der sich von Gorizia bis Triest hinzieht. Ein großer Teil des Gebietes liegt in Slowenien. Hier produzieren einige kleine Spitzenwinzer, die in der Gegend viel Ansehen genießen, eigene Rebsorten, die nirgends sonst im Friaul angebaut werden. Weinhauptstadt ist die Provinzhauptstadt Triest. Die wichtigsten Rebsorten sind Vitovska, Terrano, (beide autochthon), Malvasia und Cabernet Sauvignon. Die bedeutenden einheimischen Rebsorten Friulano und Ribolla Gialla finden sich hier nicht.

Friuli Annia DOC: Als DOC-Zone anerkannt 1995, aber mit 46 Hektar ein kleines, wenig bedeutsames Gebiet mit sandigen Böden.

Friuli Latisana DOC: Mit 198 Hektar ein nicht sehr großes und unauffälliges Anbaugebiet mit sandigen Böden, aber als DOC-Zone anerkannt 1975.

Lison Pramaggiore DOC: Von den insgesamt 290 Hektar des Lison Pramaggiore liegen nur 41 Hektar im Friaul. Es hat nur geringe Bedeutung.

 

Rebsorten

 

Das Friaul hat für eine Einzelregion ein großes Spektrum an Rebsorten, darunter viele hochwertige. Trotzdem haben die Friauler Winzer in den vergangenen Jahren schmerzhaft erfahren müssen, dass sie ihre herausragende Stellung teilen mussten. Eine Zeitlang waren diese Weine nach den hochpreisigen Franzosen so ziemlich das Beste, was Europa als Weißwein zu bieten hatte. Doch weiße Spitzenweine kommen inzwischen auch aus Deutschland, Österreich oder Südtirol. Eben deshalb verabschieden sich immer mehr Lokalpatrioten von den internationalen Sorten und ersetzen sie mit den alten einheimischen, vor allem Friulano.

Weiße Rebsorten: Im Friaul sind 13 weiße Rebsorten zugelassen, darunter sehr viele hochwertige. Deren Weine sind vielschichtig und überraschend lagerfähig. Qualitätsweine wie Collios gewinnen fast immer durch dekantieren.

Internationale Rebsorten: Pinot Grigio, im Deutschen Grauburgunder und seit Jahren ein Modewein nördlich der Alpen, wird in der gesamten Region Friaul massenhaft angebaut. Mit seinen eingängigen Fruchtnoten stillt er die Nachfrage nach leicht zugänglichem Pinot Grigio in deutschen Bars und Restaurants. Vor allem im Collio gerät er deutlich kraftvoller als in der weitläufigen Schwemmlandebene im Westen des Friaul. Diese Weine sind die besten Pinot Grigios in Italien mit vollem, rundem Körper und schweren Noten von Nüssen und Honig. Pinot Bianco: Angeblich kamen die ersten Pinot Bianco-Reben 1871 im Schaft der Reiterstiefel eines gewissen Theodore de la Tour nach Italien. Der Graf hatte eine österreichische Baronin mit Landbesitz im Friaul geheiratet. Wie so oft lässt sich der Wahrheitsgehalt schwer nachweisen, bis auf den Zeitpunkt. Die ersten Pinot Biancos - auf deutsch Weißer Burgunder - wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Friaul gepflanzt und haben bis heute eine besondere Feinheit im Fruchtspektrum entwickelt. Die Weine sind frisch, leicht, manchmal mit Noten von Mandeln. Nach einiger Lagerzeit kommt der Duft von Honig und Akazien dazu. Sauvignon Blanc: Wie die meisten französischen Sorten kam der erste Sauvignon Blanc in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ins Friaul. Von grasig-trockenen Weinen, wie sie in der Ursprungsregion Loire zu finden sind, reicht das Geschmacksspektrum über feinfruchtige Noten von Cassis und Holunderblüten bis zu schwerem Pfirsichduft. Der weltweit verbreitete Sauvignon Blanc findet im Friaul beste Wachstumsbedingungen und ergibt oft hochwertige, komplexe Weine. Chardonnay kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ins Friaul, trat aber erst in den 1960er Jahren als eigenständige Rebsorte hervor. Im Friaul zeigen die besseren Chardonnays ein gutes Fruchtspektrum, das die Mineralität des Bodens mit nussigen Aromen zu einer cremigen Textur am Gaumen verbindet. Riesling, Gewürztraminer, Müller-Thurgau: Riesling ist im Friaul ein Erbe der k.u.k.-Zeit. Das Friaul gehörte mehrere hundert Jahre zur Habsburger Monarchie und wurde als Hoflieferant geschätzt. Im Gegenzug brachten die Österreicher Rebsorten von nördlich der Alpen mit. Die drei Rebsorten haben allerdings heute keine besondere Bedeutung.

Ortsstämmige Rebsorten: Friulano (Tocai) war noch bis 2008 unter dem Namen Tocai Friulano bekannt. Im Rahmen des Herkunftsschutzes europäischer Weine machte die Weinregion um die ungarische Stadt Tokaj aber den Namen für sich geltend. Wie in vielen dieser Verfahren wurden zähe Verhandlungen geführt. Legenden wie die, dass der Friulano in der Zeit, als das Habsburger k.u.k. Reich beide Regionen umfasste, tatsächlich von Ungarn ins Friaul gekommen sei, wurden angeführt, sogar, dass die Rebe sich auf dem umgekehrten Weg verbreitet habe. Doch Ampelographen, Rebsortenkundler, wiesen wissenschaftlich nach, dass die Sorten genetisch nicht identisch sind. Heute ist der Name auf Friulano-Etiketten nicht mehr legal. Vor allem ältere Winzer sprechen aber noch immer gern von Tocai Friulano, weil die Sorte unter der Bezeichnung ihr Renommee gewonnen hat. Das Wort „friulano“ als Adjektiv zu Friuli hat im Italienischen eher einen bescheidenen Klang und gilt vielen Weinbauern nicht gerade als verkaufsfördernd. Dennoch ist Friulano die Schlüsselrebe der Region, nicht nur wegen des Namens. Bei der Kultivierung des Friulano herrschen zwei Stile vor. Aus dem weitläufigen, flachen Grave – das mit deutlich über 6000 Hektar die größte Anbaufläche des Friaul besitzt – kommen leicht zugängliche Weine für unkomplizierten Trinkgenuss. Ihr Alkoholgehalt ist moderat, ebenso ist es der Preis. Diese Weine sind frisch, duften nach weißen Blüten und sollten jung getrunken werden. Anders die Weine des sanft gewellten Collio, das sich nicht auf italienischen Boden beschränkt, sondern weit nach Slowenien hineinreicht, die der Colli Orientali oder des kargen Schwemmlandes Isonzo. Hier nutzen die Winzer den von Natur aus üppigen Wuchs der Rebsorte nicht für hohe Erträge, sondern beschränken die Lese-Mengen drastisch, um die Konzentration der Inhaltsstoffe zu erhöhen. Die Friulanos sind gehaltvoller, tiefgründiger und langlebiger, obwohl er keine hervorstechenden Eigenaromen hat wie viele andere Rebsorten. Die Weine sind fleischig mit Tönen von Mandeln, Brennnesseln, Blüten, Zitrus und Steinobst wie Pfirsichen oder Aprikosen. Dazu kommt ein mineralischer Aspekt, der deutlich an nasse Kiesel und trockene Erde erinnert. Ribolla gialla ist eine weitere autochthone Rebsorte im Friaul und wird schon seit dem Mittelalter kultiviert. Lange Zeit trat sie kaum reinsortig in Erscheinung, sondern ging in Cuvées ein. Die Sorte hat aber qualitativ ein hohes Potenzial. Als Rebsortenwein zeigt sie eine frische Säure und oft den exotischen Duft von Mandarinenschalen. Die Weine sind jung oft verschlossen und unzugänglich und offenbaren erst nach einiger Lagerzeit eine bemerkenswerte Aromen-Fülle. Picolit: Diese einheimische Rebe wird mehrheitlich für Süßweine verwendet, die oft deutlich nach Honig duften und vor allem in der Region getrunken werden. Malvasia istriana: Die lokale Sorte Malvasia istriana wird seit dem Mittelalter in der Region angebaut und hat einen sehr eigenen Ausdruck, oft mit Noten von Aprikosen und Nüssen. Sie gibt ihren Weinen Fülle und einen Pfefferton. Malvasia istriana hat eine gute Lagerfähigkeit, die aber bisher kaum ausgelotet ist, weil es vor mehr als zehn Jahren kaum reinsortige Weine gab. Verduzzo: Die autochthone Verduzzo wird trocken zu zitronig-leichten Weinen ausgebaut, aber auch zu Süßweinen wie dem Ramandolo, die ihren Zucker mit den Zitrusaromen abfedern. Glera (Prosecco): Die Sorte Glera hieß bis vor Kurzem Prosecco und wurde zum Synonym für einen mittlerweile weltbekannten Perlwein. Ursprünglich stammt sie aus dem Ort Prosecco in der Nähe von Triest im Friaul. Der Name ist aber jetzt der Herkunft vorbehalten, und eine Rebsorte darf nicht denselben Namen tragen. Aus der Sorte Glera werden auch im Friaul einige gute Perl- und Schaumweine gemacht, die sich als einzige weiterhin Prosecco nennen dürfen.

Rote Rebsorten: Fast die Hälfte aller Weine aus dem Friaul ist rot, obwohl die Region dafür wenig bekannt ist. Die meisten sind qualitativ ordentliche Alltagsweine. Die internationalen Sorten Cabernet franc, Cabernet Sauvignon und Merlot bringen die besten Ergebnisse. Es gibt aber auch eine Reihe autochthoner Rebsorten: Refosco, Pignolo, Schiopettino, Tazzalenghe, Terrano. Meist werden sie als durchschnittliche Qualitäten ausgebaut. In den Rebsorten liegt aber noch bislang unausgenutztes Qualitätspotenzial. Angesichts des gegenwärtigen Weißwein-Trends für die Region ist nicht absehbar, wann Winzer größere Energien in die roten Sorten setzen werden.

Internationale Rebsorten: Merlot: Eingeführt wurde der Merlot erst 1880, begann dann aber einen unaufhaltbaren Siegeszug. Noch in den sechziger Jahren war er eine Art Markenzeichen der Region. Verlangt ein Friulaner in seiner Osteria einen tajut rosso, findet sich mit ziemlicher Sicherheit ein Merlot (della casa) in seinem Glas. Bis heute sind die meisten Weine einfache fruchtige Tropfen, nicht selten mit etwas groben Tönen von grünen Blättern. Wenige Winzer erzeugen konzentrierte Spitzenweine. Cabernet franc ergibt sortentypisch kräuterige, erdige Weine, in den oft Kirsche als Frucht vorherrscht. Es gibt einige wenige Beispiele dafür, was die Sorte im Friaul rebsortenrein leisten kann. Die meisten Cabernet Francs wandern in Cuvées mit den Bordeaux-Sorten Cabernet Sauvignon und Merlot. Cabernet Sauvignon Cabernet Sauvignon zeigt ein recht breites Spektrum von Tannin-harten schlanken Weinen bis zu weichen, wuchtigen Varianten. Oft hat der Cabernet Raucharomen wie Teer.

Autochthone Rebsorten: Refosco ist die autochthone Rebsorte mit der größten Anbaufläche im Friaul. Selten werden daraus aber herausragende Weine. Oft sind sie lila und herb. Mit verbessertem Rebmaterial könnte die Sorte an Lagerfähigkeit gewinnen. Die besten heute gebrauchten Klone sind Refosco dal Pedunculo (Deutsch: Refosco mit roten Stielen). Cabernet ist eine Kreuzung aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, die nicht für besondere Qualitäten bekannt ist. Meistens wird sie für Cuvees verwendet. Pignolo: Die selten geflanzte rote Sorte erlebt zurzeit eine kleine Renaissance. Gute Pignolos sind dicht und sehr lagerfähig. Wegen ihrer Komplexität werden sie mitunter mit Brunello verglichen. Schiopettino: Auch Schiopettino wird wenig angebaut, auch weil die Weinbergsarbeiten kompliziert sind. Die Sorte hat ebenso das Potenzial zu sehr dichten Lagerweinen, oft mit Gewürzaromen und viel Gerbstoff. Tazzelenghe heißt wörtlich Zungenschneider und verdient sich ihren Namen mit ihren herben Charakter. Terrano ist eine Varietät des Refosco, die im Carso angebaut wird.

Weintypen

Dolce: In verschiedenen Zusammensetzungen erzeugen die Winzer im Friaul auch Süßweine. Der bekannteste ist der Picolit.

Perlweine und Schaumweine: Weine mit Kohlensäure werden meist aus der Sorte Glera gekeltert. Traditionell kommen solche Weine aus der Region um die Stadt Prosecco, nahe Triest.

 

Weinbau-Geschichte

Die ältesten Traubenkerne des Friauls fand man im Schwemmsand unter Pfahlbauten aus der Bronzezeit. Die ersten Weinbauern hatten sich also die deutlich einfacher zu bearbeitenden Flächen in der Ebene ausgesucht. Bei den antiken Römern, die vielleicht als erste den Zusammenhang zwischen Standort und Wein erkannten, war die Region unter pensionierten Berufssoldaten beliebt. Verdiente Exlegionäre hatten ein Anrecht auf eine rechteckige Parzelle, vorzugsweise mit Ulmen- und Maulbeerbaumbestand. Daran ließen sie das Lianengewächs Vinifera hochranken.

Wie so viele Errungenschaften der Antike wurden auch die Weingärten des Friaul ein Opfer des wissensfeindlichen Mittelalters. Die Völkerwanderung spülte die Langobarden ins Friaul. Der Stamm aus dem heutigen Osten Deutschlands ruinierte die Weinkulturen für Jahrhunderte. Erst im späten Mittelalter rodeten fleißige Benediktinermönche die wildwachsenden Wälder und rekultivierten die Weingärten. Sie scheinen durchschlagende Erfolge damit gefeiert zu haben. 1307 liefen die Geschäfte so gut, dass die Regierung der Stadt Goriza, die noch heute einer der Hauptorte des Friaul ist, eine Weinsteuer erhob. Ob die Maßnahme fiskalisch durchschlug, ist nicht überliefert. Es dauerte jedenfalls nicht lange, bis die Verwaltung ein allgemeines Alkoholproblem meldete. Immer mehr Betrunkene torkelten durch die Straßen der Stadt.

Die naturwissenschaftlichen Fortschritte in der Renaissance kamen wohl auch dem Weinbau im Friaul zugute. Aber bestimmender für die Region waren immer politische Lagen. Von der Antike bis in die Neuzeit war das Friaul oft umkämpft. Römer und Barbaren standen sich an der Grenze zwischen Alpen und Adria gegenüber. Eroberer aus dem Norden suchten den Mittelmeerzugang, wer aus dem Süden kam, wollte sich die Passage auf den Balkan sichern. Der Name Friuli Venezia Giulia spiegelt die Geschichte der Region mit ihren wechselnden Allianzen und oft verschobenen Grenzen. Friuli bezieht auf die Friulani, die die Region als erste besiedelten. Das Gebiet umfasst heute die Provinzen Pordenone und Udine. Venezia Giulia heißen die östlicheren Provinzen Gorizia und Triest, die traditionell mit der Republik Venetien verbunden sind.

Die im 19. Jahrhundert aus dem Ausland eingeschleppten Schädlinge wie Reblaus, Mehltau und Falscher Mehltau (Peronospora) hinterließen auch im friulanischen Weinbau furchtbare Spuren, waren doch die autochthonen Sorten wenig resistent. Das Jahrhundert war weinbaulich für Friaul eine Tragödie, vor allem für den von Venedig beherrschten Teil. Im von der Habsburger Monarchie verwalteten Gebiet, vor allem in der heutigen Provinz Gorizia, konnte der Weinbau die effizienteren staatlichen Strukturen insofern besser nutzen, als die öffentliche Verwaltung den Erfordernissen des Bauernstandes und der Unternehmerschaft offen und fördernd gegenüberstand. Dies gab den Ausschlag für die Einrichtung der friulanischen Rebschulen. Konnte die österreichische Verwaltung doch auf die Erfahrungen önologischer Institute wie Klosterneuburg zurückgreifen.

Die bevorzugt empfohlenen Weißweinsorten waren damals vor allem Sauvignon Blanc, Pinot Bianco (Weißburgunder) und Pinot Grigio (Grauburgunder). Von den französischen Rotweinsorten wurden bevorzugt Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und der Pinot Nero (Spät- oder Blauburgunder) angebaut, nicht jedoch der Merlot. Diese Sorte aus dem Bordeaux ist heute, zusammen mit dem weißen Friulano und dem Pinot Grigio die Hauptanbausorte.

Unvergleichbar heftig trafen die Region die Auseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts. Im Ersten Weltkrieg tobten hier zwölf der blutigsten Materialschlachten. Mehrere hunderttausend Soldaten starben bei den Kämpfen zwischen Italien und Österreich-Ungarn im Trommelfeuer, bei Giftgasangriffen, durch Minenwerfer und an Typhus. Knochen, verrostete Koppel und Bajonette dieser armen Teufel findet man noch heute an einigen Stellen. In den so genannten Isonzo-Schlachten, die am Ende nicht kriegsentscheidend waren, wurden Bergen die Gipfel abgesprengt und das prächtige Gorizia schwer zerstört.

Das Collio – oder „Brda“ wie der größere Teil des Gebiets in Slowenien heißt – ließ sich aber nicht teilen. Während des Kalten Krieges, als sich die Großmächte mit Militärparaden, Atom-U-Booten und Overkill-Raten zu beeindrucken suchten, tuckerten friulanische Winzer mit ihren Traktoren über die Todeslinie, um ihre Weinberge zu bearbeiten. Jeden Abend mussten sie schwer bewaffneten kalten Kriegern ihren Pass zeigen, um hinter den Eisernen Vorhang zurückzukehren. In der Nachkriegszeit verschafften massive Agrar-Subventionen dem Weinbau etwas Luft und technische Fortschritte. Als die Holzfässer weltweit noch Standard waren, wurden im Friaul die ersten Zementtanks gegossen. Bis Mitte der 1960er Jahre war das Friaul eine Rotweingegend mit der Hauptrebsorte Merlot.

Die Technik der Vergärung in sauberen Stahltanks unter Luftabschluss, die die ganze italienische Weinwelt revolutionieren sollte, wurde hier zuerst eingesetzt und machte die Hightech-Weinregion schon in den Siebziger Jahren führend in Sachen Weißwein. Die Reben rankten an waagerechten Drähten empor, an denen sich Wachstum und Ertrag optimal regulieren ließen. Mit dem international wachsenden Interesse für Qualitätswein in den Achtziger Jahren wurde das Friaul bekannt und die Weinwirtschaft erlebte einen Boom.

Der Rotwein-Trend der kommenden Jahre bedeutete jedoch das Ende dieser Phase. Während Barolo, Chianti und Supertoskaner en vogue waren und internationale Weißweine aus Trendsorten wie Chardonnay, und Sauvignon Blanc aufkamen, galt das Friaul als etwas angestaubt und verschwand aus dem öffentlichen Bewusstsein. Außerdem waren die Preise bereits stattlich, im Vergleich zu Pinot Grigio aus Venetien. Das Geld des erstem Booms floss in Innovationen: noch besseres Pflanzgut, penible Weingartenarbeit und Kellertechnik auf dem neuesten Stand. Weine mit viel Frucht waren eine erste Gegenbewegung zu dem dominierenden Stil Frankreichs, wo solche primären Aromen verächtlich abgetan wurden.

Im Collio und den angrenzenden Anbaugebieten gibt es wenig Großgrundbesitz und nur vereinzelte Genossenschaften. Das Gros der Winzer macht seine Weine auf Familienbesitz, oft seit Generationen. Diese Konstellation mit kompetenten Winzern, die Kapital haben und die Möglichkeit unabhängige Entscheidungen zu treffen, ist der ideale Nährboden für Innovationen im Weinbau. Die Region erlebte so Veränderungen, wie sie andernorts in Jahrhunderten nicht passierten.

Begriffe auf vielen Weinetiketten wie Klin, Col Disôre, Pomédes oder Segrè sind Furlan, die lokale Sprache, die dem Katalanischen fast mehr ähnelt als dem Italienischen und auch auf der slowenischen Seite der Grenze gesprochen wird. Der Austausch unter den Collio-Winzern in beiden Ländern ist lebhaft.

 

Sonstiges

In dem über tausend Jahre alten, dreieckigen Kloster Santa Maria in Valle südlich des Marktplatzes von Cividale del Friuli gibt es einen romanischen Fries, auf dem rankende Reben und dicke reifen Trauben aus dem Stein gearbeitet sind. Es ist der einzige auf der Welt. Im Jahr 2000 verpflichtete das Konsortium niemand geringeres als Oliviero Toscani für eine Werbekampagne. Der Star-Fotograf, der in seinen Arbeiten unter anderem HIV-Kranke und Magersüchtige zum Thema von Werbeaufnahmen gemacht hatte, platzierte einen Collio Bianco vor einem wunderschönen nackten Busen. Der gehört einem farbigen Model, das dem Friulano gesteht: „Der einzige Weiße, den ich liebe.“ Der harte Dialekt, den die Friulaner ihrem Italienisch geben, ist auch für Einheimische schwer verständlich, zumal er von Dorf zu Dorf anders ist. Viele Leute sprechen ohnehin lieber Friulano, oder Slowenisch, oder Zimbrisch oder uralte Varianten des Deutschen. Alle diese Sprachen existieren im Friaul.

 

(Quelle: Wikipedia, Nachbearbeitung: BioWeinReich)

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